Es ist ein Frühchen!

Vier Wochen eher als erwartet halte ich “Die Rote Halle” in den Armen, frisch gedruckt und blutig rot. Ich weiß, so etwas sagt man nicht, aber ich finde sie hübscher als mein Treppenkind … liegt etwas schwerer und griffiger in der Hand, die Schrift sitzt besser auf der Seite und trotz Glanzfolie hat das Cover mehr räumliche Tiefe.

Der Klappentext macht diesmal auch einiges her:

TANZ BIS AUFS BLUT

Ein verlassener Flughafen, eine blutige Ballettinszenierung. Die brutal zugerichtete Leiche einer Tänzerin. Ein Junge, verschluckt von endlosen unterirdischen Gängen. Und die Botschaft an seine Mutter: Sie kann ihren Sohn nur retten, wenn sie selbst zur Täterin wird.

Psychospannung für alle, die Sebastian Fitzek zu harmlos finden.
Westdeutscher Rundfunk

Hier habe ich den Anfang als Leseprobe reingestellt. :-)

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Karla Schmidt am Dezember 2nd 2011 in Blog, Rote Halle

Hockerhauenwollen im Vielfrontenkrieg

Blogpflege – momentan nicht unbedingt meine Stärke. Weil auch ein Blog etwas ist, das geschrieben werden muss, und schreiben mache ich momentan fast ununterbrochen. Morgens gegen 8 Uhr geht’s los. Von 16 bis 20 Uhr ist Familienpause, wenn ich nicht gerade zwanghaft weiterschreibe. Und gegen 1 Uhr Nachts gehen dann meist endgültig die Lichter aus.

Die Fronten, an denen ich mich tapfer voranschreibe, das sind Science Fiction, Thriller, Historisches und Literarisches. Überall passiert etwas, manche Schlachten sind fast gewonnen, andere stehen unmittelbar bevor, Fronturlaub ist gestrichen, und die langen Märsche durch kaum kartographiertes Gebiet sind zermürbend.
Die martialische Metapher kommt daher, dass sich das Schreiben momentan wirklich ein bisschen als Kampf gestaltet. Nicht, weil mir nichts einfällt. Im Gegenteil: Mir gehen zur Zeit so viele Geschichten gleichzeitig im Kopf herum, das es mich davon abhält, mich einer davon ganz zuzuwenden.
Darum ist Sortieren auf jeden Fall eine gute Idee, womit ich dann gleich noch die Blog-Fliege exekutieren und meine Kriegsberichterstattung hinter mich bringen kann. Also, fangen wir mit den aktuellen Schreibprojekten an:

Science Fiction: „Allein. Auf dem Wind.“

So habe ich eine gerade fertig gestellte Novelle genannt, die im Oktober in einem Sammelband zusammen mit Novellen anderer Autoren erscheinen wird. Das wird mein erstes Hardcover und ich bin sehr gespannt drauf, wie es aussehen wird.

Hier kann man den Projektstand nachlesen!

Thriller: „Die Rote Halle“

Der zweite Thriller nach dem „Kind auf der Treppe“ ist beinahe Fertig, die Nacharbeitsphase hat begonnen, Überarbeiten und Lektorat. Und das Cover ist auch schon fertig:

Bisschen Klappentext dazu:
Kostümbildnerin Janina Zöllner fliegt mit ihrem Sohn nach Berlin, um an der Abschiedsinszenierung eines berühmten Choreographen im stillgelegten Flughafen Tempelhof mitzuwirken. Zu ihrem Entsetzen ist der Tänzer Dave Warschauer ebenfalls engagiert. Janina hat den Vater ihres Sohnes seit fünfzehn Jahren nicht gesehen. Janina dachte, sie sei über Dave hinweg, aber nun verliebt sie sich wieder ebenso hoffnungslos und verzweifelt in ihn wie beim ersten Mal.
Die Inszenierung gerät ins Stocken, als eine Tänzerin auf mysteriöse und brutale Weise stirbt. Als dann auch noch Janinas Sohne verschwindet, begreift Janina, dass sie ihn nur retten kann, wenn sie selbst zur Täterin wird.

Das Buch erscheint im Januar 2012, aber man kann es bei amazon schon vorbestellen.

Historisches: „Kaltes Herz“

Sobald die „Rote Halle“ von Tisch ist, werde ich mich mit Feuereifer in den nächsten Historischen Roman für Rowohlt stürzen müssen, denn der soll ja bereits im Mai 2012 erscheinen.
Die Geschichte spielt wieder Ende des 19. Jahrhunderts, aber dieses Mal wird das wissenschaftlich-fantastische Element ausgeprägter sein als in der „Seelenfotografin“.
Das 19. Jahrhundert ist für mich darum so faszinierend, weil damals extrem viel im Umbruch war. Unsere technisch-rationale Welt entstand, unser positivistischer Wissenschaftsbegriff wurde zur beherrschenden Weltanschauung.
Gleichzeitig trieben Esoterik und Magie prächtige Blüten. Mich interessieren gerade die Seitenwege, die nicht überlebt haben, und ein solcher Seitenweg wissenschaftlicher Magie wird für den neuen Roman wichtig.

Literarisches: „Lügenvögel“

Ein kleiner, unrealistischer, dennoch nicht fantastischer Roman, der mir schon lange im Kopf herumspukt. Etwas, das in keine Genreschublade passt. Ob es letztlich in die Literaturschublade passt, wird sich zeigen müssen. Hierfür gibt es noch keinen Veröffentlichungstermin. Weil …

Im Unterschied zu Genre-Literatur kann man Literatur-Literatur kaum auf Exposé-Basis verkaufen, da es hierbei ja wesentlich auf die konkrete sprachliche Umsetzung ankommt.
In den Genres guckt man dagegen mehr auf den Plot und die Genre-Konventionen und vertraut darüber hinaus auf die Fähigkeiten des Autors / der Autorin, das handwerklich sauber umzusetzen.
Ich bin mir nicht sicher, ob ich über diese unterschiedliche Handhabe glücklich sein soll oder nicht.

Einerseits: ist es für mich finanziell besser, auf Exposé-Basis verkaufen zu können, weil das Geld dann regelmäßiger kommt. Und mich ärgert die „Ungleichbehandlung“ insofern, als dass ich mir auch bei Genre-Titeln über die sprachliche Gestaltung Gedanken mache. Sprachliche Komplexität und Stil müssen zum Stoff passen, egal ob ich Genre oder Literatur schreiben möchte.
Andererseits: Ohne Vertrag auf Exposé-Basis habe ich keinen Zeitdruck, kann einen Stoff langsam wachsen lassen. Und das führt möglicherweise dazu, dass der Text an Tiefe und Ausdruckskraft gewinnen kann. Etwas, wozu man bei einem Genre-Buch selten die Zeit hat.

Ob mit oder ohne Vertrag, mein Schreibleben ist mit diesen Projekten bereits bis mindestens Mitte 2012 durchgeplant. Und wenn das alles wäre, würde ich mich auch gar nicht über Erschöpfung, wunde Finger, zu wenig Zeit am Tag, schlechte Marschverpflegung und dergleichen aufregen.

Aber … Der meiste Platz in meinem Kopf wird gerade von einem fünften Romanstoff beansprucht. Und ich kann mich nicht dagegen wehren.
Die Idee kam wie der sprichwörtliche Blitz aus heiterem Himmel, und er zieht ununterbrochen neue Blitze und eine Menge Gedonner nach sich. Ich habe das Gefühl, eine Entdeckung gemacht zu haben, den Zipfel von etwas Großem zu fassen gekriegt zu haben. Und so verbringe ich meine sämtliche Freizeit damit, aufzuschreiben, was mir da ständig ins Hirn gewittert.
Verschieben kann ich das nicht. Man kann der Muse schließlich schlecht sagen, sie soll in einem Jahr nochmal wieder kommen, wenn man wieder Zeit für sie hat.
Und da ich vorhabe, euch mit diesem Ding derart vom Hocker zu hauen, schleppe ich brav 24 Stunden am Tag mein Notizbuch mit mir herum, bereit zum Diktat.

Wenn das Hockerhauenwollen nicht ganz so anstrengend wäre …

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Karla Schmidt am Juni 24th 2011 in Blog

Kurzgeschichte des Monats beim Fantasy Guide

Wenn man erstmal anfängt mit bloggen, gibts natürlich immer gleich wieder viele Anlässe. Heute der Folgende:

Der Fantasy Guide hat eine etwas ältere und für meine Verhältnisse ausgesprochen romantische Story mit dem Titel “Plateau” online gestellt – unter der Rubrik “Kurzgeschichte des Monats”.
Diese Geschichte war ein Reflex auf eine zweiwöchige Saharareise – mit Berbern und Kamelen und frischem Brot aus der Asche des abendlichen Feuers und was sonst alles noch dazu gehört (Sonnenallergie und mit Kamelpisse gewürztes Trinkwasser zum Beispiel … ).
Mit das Beeindruckendste an dieser Reise war ein unglaublich plastischer, dicht an dich mit Sternen bepackter Himmel von Horizont zu Horizont, der mir das Gefühl gab, mitten im Weltall zu stehen.
Natürlich befinden wir uns immer mitten im Weltall. Aber dieser Sternenhimmel, der hatte etwas von den romantischen Vorstellungen, die ich mir von einer Weltraumreise mache. Erhabenheit, die Winzigkeit des Individuums im Angesicht des Kosmos, hoch melancholische Space Oddity …
Daraus hat sich dann diese Geschichte ergeben, ein wenig SF, ein wenig Reisebericht, ein wenig kultivierte Einsamkeit und Vergeblichkeit … :-)

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Karla Schmidt am März 28th 2011 in Blog, Kurzgeschichten, Übers Schreiben

Melodie & Rhythmus beim Schreiben / Ich erkenne mich nicht wieder / nur anderthalb Romane

Melodie und Rhythmus – schöne stilistische Tugenden, und auch für die Dramaturgie nicht ganz unwichtig. Diesmal meint die Überschrift aber eine Zeitschrift, und die handelt natürlich nicht vom Schreiben, sondern von Musik.

Schwerpunktthema im Monat März: Musik und Literatur

Da sind ein paar interessante Artikel drin, unter anderem auch ein Interview mit Rocko Schamoni, der eine Weisheit zum besten gibt, an der ich mich in letzter Zeit gerne festhalte, wenn einmal wieder Fragen nach der “Markttauglichkeit” meiner Texte laut werden: Man schreibt nur das gut, was man wirklich schreiben will.
Ich behaute zudem: Nur mit dem, was man wirklich gut macht, kann man auch erfolgreich sein.
Oder eben auf hohem Niveau scheitern. Was es bei mir wird, muss sich erst noch zeigen. :-)

Außerdem gibt es in der Zeitschrift einen Artikel von mir über den Einfluss von Musik auf das Schreiben – am Beispiel von, na wem wohl, David Bowie. Hier ist sie:

Und ein zweites Zeitschriftencover hab ich diesen Monat noch zu bieten: Die Erlösungsdeadline aus dem Hinterland ist noch einmal erschienen. Hier eine kleine Leseprobe (wobei ich sämtliche Häkchen und Ösen, die eigentlich noch an die Buchstaben gehören, wegen Tastaturbeschränkungen weglassen muss):

Termin wybawienia

Janus gapil sie na ekran wielkosci co namniej osmiu metrow kwadratowych. Najczesciej nadawano programy kuchene: od rana do wieczora rzesza polprawdziwych VIP’ow ujawniala tajniki przyrzadzania wszelakich inslala caprese, köfte czy rozyczek kalafiorow. …

Und so weiter. Über zwölf eng gesetzte Zeitschriftenseiten. Die Geschichte wurde für das größte polnische Fantasikmagazin Nowa Fantastyka übersetzt und mit Illustrationen versehen. Das ist schon ein abgedrehtes Gefühl, einen eigenen Text in einer solchen Gestalt zu sehen. Das Schriftbild erscheint mir tatsächlich so sperrig und anders, dass ich beim besten Willen nicht zurückübersetzen kann, ohne in die deutsche Fassung zu gucken. Das einzige, was ich von den beiden obigen Sätzen verstehe, ist “insalata caprese”, und das ist kein Polnisch. :-D

Die beste Neuigkeit ist momentan allerdings diese:
Ich habe dieses Jahr nichts weiter zu tun, als anderthalb Romane fertig zu schreiben. JAAAA!

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Karla Schmidt am März 23rd 2011 in Blog, Hinterland, Übers Schreiben

Gelese und Geschreibe

+ HINTERLANDNACHRICHTEN +

1. Es gibt mal wieder eine Hinterlandlesung! Am 12.12.2010 um 19 Uhr in der Roten Beete.
Das ist in Berlin Schöneberg, und es lesen:

bibo Lobnau, Jakob Schmidt, Jasper Nicolaisen und Siegfried Langer.

O kommet doch all.

2. Es gibt beim SF-Fan eine neue, sehr ausführliche und sehr positive Rezension zum “Hinterland”. Es wird viel zu den einzelnen Stories gesagt, so dass man sich fast schon einen kompletten Inhaltsüberblick verschaffen kann. Über die Hinterland-Homepage kommt man hin.

+ NEUES AUS DEM FOTOLABOR +

1. “Die Seelenfotografin” ist in der Kategorie “Historischer Roman” für den Lovely-Books Leserpreis nominiert und in die Shortlist gekommen! Was einem kleinen Wunder gleichkommt, denn das Buch ist ja erst vor vier Wochen erschienen.
Da ich nun schon einmal in der Endrunde bin, regt sich natürlich ein winziges bisschen der Wunsch, auch noch aufs Treppchen hüpfen zu dürfen. Und dazu könntet Ihr etwas tun. Nämlich: Für die “Seelenfotografin” voten! Das geht noch bis zum 10.12.2010.

2. Auch sonst kommt die “Seelenfotografin” gut weg, zum Beispiel in diesem Büchertipp-Podcast auf WDR4. Die Rezensentin vergleicht das Buch sogar mit Süßkinds “Parfüm”. Und sagt nicht, ich gebe an. Euch würde das auch gefallen!

3. Podcast und die aktuelle Seelenfotografin-Leserunde bei literature.de haben mich auf den Gedanken gebracht, dass ich Leseproben aus Büchern ja eigentlich auch als Podcast hier auf die Seite stellen könnte. Im Moment geht es nicht, weil ich wie eine verschleimte Kröte klinge und dauernd huste. Aber ich finde, es ist eine gute Idee fürs neue Jahr.

+ DIE ASTROECKE +

Und was mag die Zukunft bringen? Obwohl ich zu den genauen Konstellationen noch nichts sagen kann und will, eines steht fest: Im nächsten Jahr werde ich mir keinen Brotjob und keine Honoraraufträge suchen müssen. Ich werde einzig und allein Bücher schreiben.

Wenn das kein Schreiberhimmel ist. :-)

+ AUS BENACHBARTEN UNIVERSEN +

Das Autorenkombinat Schlotzen & Kloben hat ein erstes Buch hervorgebracht, welches “Raumanzüge & Räuberpistolen” heißt. Es sieht von außen sehr hübsch und auch recht schmal aus, innen beweist es jedoch wahre Größe:

Neulich habe ich abends spät damit in der Küche gesessen und musste beim Lesen so laut lachen, dass die Nachbarn mit dem Besenstiel an die Decke klopften.

Kaufen könnte Ihr das Buch per Email-Bestellung beim Verlag. Besonders zusammen mit dem “Hinterland” eine gute Weihnachtsgeschenkkombination, oder?

Liebe Grüße, Karla

Lauter neue Bücher …

… und ich sollte das doch wirklich mal verbloggen, nicht wahr?

Aber ich mache es ganz, ganz kurz, denn gestern Abend war ich mit drei MitautorInnen das “Hinterland” feiern … und bin erst um halbsieben zu Hause gewesen. :-)

Das “Hinterland – 20 Erzählungen inspiriert von der Musik David Bowies” wurde am Samstag auf der BuCon in Frankfurt vorgestellt. Gelesen haben Dirk Röse, Barbare Streun und Nadine Boos. Und da es bereits Berichte von Leuten gibt, die schneller waren als ich – sind hier die Links:

BuCon-Bericht auf fantasyguide.de

… und auf davidbowie.de (unter “Schreibende Bowieaner”, falls das jetzt mit dem Link nicht hinhauen sollte, auf Unterseite 54 …)

Okay, und dann, fast zeitgleich, halte ich plötzlich auch noch das erste, druckfrische Exemplar der “Seelenfotografin” in der Hand und erfahre von neugierigen Lesern, dass Rowohlt eine Leseprobe ins Netz gestellt hat, die von den Online-Buchhandlungen fleißig übernommen wurde. Supergut, das!

Also, wer gerne schonmal reinlesen mag – BITTESCHÖÖÖÖÖÖÖN!

:-)

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Karla Schmidt am Oktober 13th 2010 in Blog, Die Seelenfotografin, Hinterland

So, nun geht´s erstmal los …

Oben im Seitenkopf steht immer noch “Das Kind auf der Treppe” – auch wenn da eigentlich längst die “Seelenfotografin” und das “Hinterland” hingehören würden. (Die nötigen Arbeiten sind veranlasst …)

Seit letzter Nacht ist nämlich das “Hinterland” auf amazon vorbestellbar.

Wäre es nicht großartig, wenn wir schnell und elegant die für einen kleinen Verlag üblichen 500 Bücher verkaufen könnten und in die zweite Auflage gehen? Natürlich haben wir nicht die Reichweite eines großen Publikumsverlages. Wir sind auf Mundpropaganda angewiesen. Und natürlich ist es unwahrscheinlich, dass wir nur mit Mundpropagande größere Kreise ziehen …
Andererseits entstehen die Überraschungserfolge immer genau so: Durch Mundpropaganda. Den überraschend guten Verkäufen folgt die aufmerksam gewordene Presse, und der folgen dann wieder Leser.

Unddenkbar bei einem Erzählband? Was meint Ihr? Wie groß sind unsere Chancen auf einen “Kleinverlagsseller”?

HINTERLANDHOMEPAGE
HINTERLAND BEI AMAZON
HINTERLAND BEI FACEBOOK

Es ist natürlich offensichtlich, dass ich diese Frage stelle, um vielleicht ein paar Leute zu motivieren, das Buch zu kaufen.

Gleichzeitig ist die Frage aber auch tatsächlich so gemeint.

Verlage fassen Anthologien nicht gerne an, sie verkaufen sich allgemein nicht gut. Aber warum nicht?

Liegt es daran, dass bei jedem Friseur eine Glotze läuft, dass man in der U-Bahn unbedingt dicke Bücher dabei haben muss, um außer dem Lesestoff auch eine Waffe bei der Hand zu haben, oder woran?

Wenn ich im Bekanntenkreis rumfrage, höre ich öfter: Kurzgeschichten sind immer dann zu Ende, wenn ich gerade beginne, in die Welt einzutauchen. Wenn ich das mal unzulässig verallgemeinere, kommt dabei heraus: Leute lesen, um in eine Welt einzutauchen und sich möglichst darin zu verlieren. Das kann eine Kurzgeschichte natürlich nicht bieten.

Dabei sieht es auf den ersten Blick doch so aus, als sei die Kurzgeschichte die perfekte Gattung für eine schnelllebige, hektische Zeit. Dennoch scheinen Leser immer mehr zu möglichst seitenstarken Büchern zu greifen – als hätten sie ewig Zeit zum Lesen. Warum?

Aktuell verlegte Bücher, die auf “Masse” aussind, lassen sich oft sehr schnell “weglesen”. 1000 Seiten Romance sind nicht mit 1000 Seiten Dostojewski oder Oates zu vergleichen. Aber 1000 Seiten sehen viel aus und erzeugen das Gefühl von “Leistung” – boah! So viel hab ich gelesen! Hinzu kommt: Wir leben in einem Umfeld, das “mehr = besser” ziemlich nachhaltig verinnerlicht hat.

Dicke Bücher, die Leser in andere Welten mitnehmen, vermitteln zugleich das Gefühl, für eine Weile “entkommen” zu können. Dabei müssen die vermittelten Welten aber vertraut bleiben, dürfen den Status Quo von Wertvorstellungen nicht zu sehr in Frage stellen. Denn sonst werden solche Bücher mental anstrengend, und das sollen sie nicht sein. Sie sollen “unterhalten”. Unterhaltung wird dabei eher mit “abschalten” als mit “umschalten” gleichgesetzt.

Und kurze Bücher – oder gar Kurzgeschichten?

Ich nehme an, sie stehen in dem Ruf, entweder Literatur oder Groschenheft zu sein. Das eine ist zu anstrengend, das andere zu offensichtlich platt.

Kurzgeschichten lassen das Abtauchen in die andere Welt nicht zu, sie verlangen nach “Umschalten” statt nach “Abschalten”. Da sie ein Thema nicht von jeder Seite aus betrachten können, sondern meist nur von einer Seite aus, bleibt genug Raum, das Thema nach dem Lesen selbst weiter zu denken. Wenn man dazu keine Lust hat, dann wirkt eine Kurzgeschichte unvollständig und daher unbefriedigend.

Worauf es ankommt: Eine Kurzgeschichte WILL gar nicht in andere Welten entführen, sie strebt keine restlose Identifikation mit dem “Helden” oder der “Heldin” an. Eher geht es um ein momentanes Aha-Gefühl und das Vergnügen an einer Pointe.

Kann es einfach sein, dass Kurzgeschichten tendenziell weniger das schnelle Konsumbedürfnis befriedigen, obwohl das im Widerspruch zu ihrer Kürze zu stehen scheint?

Was meint Ihr? Lest Ihr Kurzgeschichten? Wenn ja, was schätzt Ihr daran? Wenn nein, warum nicht?

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Karla Schmidt am September 23rd 2010 in Blog, Hinterland, Kurzgeschichten

Lesung im totsicher – und other news

Mir ist heute früh was eingefallen. Nämlich, dass ich nächste Woche Dienstag etwas vorlesen werde. Und zwar aus dem “Kind auf der Treppe”.

ORT: Krimibuchhandlung “totsicher” in der Berliner Winsstraße. Das ist im Prenzlauer Berg.
ZEIT: Dienstag, 14.09., 20:00 Uhr
EINTRITT: 4,00 Euro

Der Ort ist wirklich schön, mit Holzboden, Wein, Sofa, weichem Licht und Büchern rundherum. Wer noch nicht hat oder nochmal will – ich freue mich, wenn Ihr kommt!

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Und nun die other news. Fange ich mit dem “Hinterland” an. Es hat auf Facebook mittlerweile eine eigene Seite. Dort biedern wird uns nicht nur potentiellen Lesern (Bowisten und SF-Fans) an, sondern auch den unendlichen Weiten des englischsprachigen Buchmartes. Tatsächlich ist es uns (mit Anna Janas’ Hilfe) gelungen, engagierte Profis aufzutreiben, die das “Hinterland” nach und nach ins Englische übersetzen.

Da es sogar für einen Herrn Kehlmann ein Glücksfall ist, auf den amerikanischen Buchmarkt losgelassen zu werden, sind die Aussichten für das “Hinterland”, zum “Ausland” zu gehören, verschwindend gering. Eine Übersetzerin hat erzählt, dass Sie mal ein Projekt bei US-Verlagen angeboten hat. Die Antwort: No thanks, we already have two Books from other countries this year. Also, nicht etwa “zwei Bücher aus Deutschland” – sondern zwei Bücher from the entire fucking not english writing hinterworld!

Aber es gibt Schleichwege … Sobald die Übersetzung vollständig ist, könnten wir das Buch z.B. über amazon.com als POD anbieten. POD bedeutet “Print on Demand”. Man kann das Buch ganz normal bei amazon bestellen, aber es werden immer nur so viele gedruckt, wie gekauft werden. Außer unserer Hinterland-Seite und den persönlichen Kanälen der Autoren und Übersetzer hätten wir dann zwar keinen Vertrieb – dafür gehen aber alle Einnahmen direkt an uns. :-)

Aber zuerst ist die deutsche Ausgabe dran. Und jetzt kommen die echten News: Das “Hinterland” wird in Frankfurt auf der BuCon 2010 vorgestellt. Die BuCon ist parallel zur Frankfurter Buchmesse ein traditionsreiches Branchentreffen für alle fantastischen Genres. Der Verleger Ernst Wurdack wird das Buch dort präsentieren, und drei von uns werden aus dem “Hinterland” lesen:

Dirk Röse liest aus “Purgatorium”
Barbara Streun liest aus “On Idle”
Nadine Boos liest aus “Kamera(d), Action!”

Und nun die Kurznachrichten:

+++ +++ +++ “Die Seelenfotografin” von Charlotte Freise ( = Karla Schmidt) jetzt bei amazon vorbestellen! Das Buch ist lektoriert, korrigiert und gesetzt und fertig. YES! +++ +++ +++ Karla Schmidt wagt ein Experiment. Gemeinsam mit Daphne Großmann will sie unter einem gemeinsamen Pseudonym Fantasy für junge Erwachsene schreiben. Schaun wir mal, wie gut das klappt +++ +++ +++ Die letzte Nacht war schlaflos, aber gut. Endlich hat sich bei Karla Schmidt ein großer, dicker Knoten gelöst, die Bruchstücke einer Story haben sich zusammengefügt. Mehr dazu gleich … +++ +++ +++

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Ja, Thema Schreibknoten. Soll ja angeblich den meisten Autoren hin und wieder passieren. Dieser Knoten hatte sich aus verschiedenen Fäden zusammengeschwurbelt.

Faden 1: Eigentlich darf ich jetzt nicht noch was schreiben. Der nächste Thriller ist noch nicht fertig, und da ist ja auch noch diese Coautoren-Sache … erstmal was fertig machen, bevor Du was Neues anfängst!

Faden 2: Will große, üppige, tiefe Space Opera schreiben. Also, nicht notwendig tatsächlich mit Weltraum, sondern etwas mit dieser Welthaltigkeit und einer entsprechenden Komplexität. Das ist ein verdammt hoher Anspruch.

Faden 3: Science Fiction kauft kein Mensch. Selbst, wenn es keine Science Fiction ist.

Faden 4: Aber es soll ja auch gar keine SF sein, sondern einfach ein Buch, in dem eben auch wissenschaftlich spektuliert wird. Genau. Und das kauft erst recht kein Mensch. Es sei denn, ich würde in den USA leben und unter dem Label Slipstream Fiction schreiben. Kurt Vonnegut darf das, David Foster Wallace hat es getan, bevor er sich erhängt hat. Kelly Link, Jonathan Lethem, Michael Chabon. Die dürfen das alle. Aber hier … kauft kein Mensch. Vergiss es.

Faden 5: Ich kriegs außerdem eh nicht hin. Was bilde ich mit ein! Mistmistmist.

Faden 6: Ich habe 40.000 Ideen für Details, für Szenen, für Figuren. Aber das alles fügt sich nicht zu etwas Ganzem zusammen. Es bleiben lose Einzelteile. Doppelobermist!

Komisch, wie sich solche Knoten manchmal lösen. In diesem Fall war es das glückliche Zusammentreffen von Information:
Gestern habe ich etwas über bestimmte Rezeptoren im Gehirn gelesen und über Medikamentennebenwirkungen. Und ich habe etwas über den Architekten Soleri gelesen. Und ich wusste plötzlich, dass meine Hauptfigur nicht 30, sondern 13 Jahre alt sein muss und dass der Roman nicht jetzt, sondern im Jahr 1986 spielt.
Everything’s falling in to pla-ace.

Am liebsten würde ich nun den ganzen Plot hererzählen. Aber dann hätte wirklich niemand mehr einen Grund, dieses Buch zu kaufen …

Wichtig ist nur: tatsächlich ist es mir völlig egal, dass das Buch in kein Genre passen wird. Selbst, wenn ich es nicht verkaufen kann – ich brenne darauf, es zu schreiben. Es geht dabei um die Empfindung, etwas gefunden zu haben und es mitteilen zu können. Es geht um den schmalen Kanal zwischen “Wissen” und “Suchen”, dem man beim Schreiben folgt.
Alle Erwägungen zur Verkäuflichkeit eines Manuskripts sind angesichts der Erkundung der soeben entdeckten Welt zweitrangig – und solange man einen Brotjob hat oder andere Projekte, die besser in die Marktschubladen passen, bleibt es auch zweitrangig.

Neobooks bei Droemer Knaur … ich weiß auch nicht …

Eine neue Autorenplattform im Internet befindet sich zur Zeit in der Betatestphase. Sie nennt sich neobooks.

Autoren können dort Manuskripte einstellen, die werden durch ein Publikum vorsortiert und die Top 10 werden weitergeleitet auf den Schreibtisch des Verlagslektors. Das ist aber nicht etwa ein zusätzliches Goodie, sondern in Zukunft soll neobooks neben der Einreichung durch einen Agenten die einzige Eintrittskarte zum Lektorenschreibtisch sein.

Das Konzept wirft viele, viele Fragen auf. Aber ich will die Diskussion an dieser Stelle nicht lostreten, denn es wird bereits an zwei anderen Stellen kompetent darüber informiert und diskutiert:

1. Auf dem Blog von Nicole Rensmann. Ihr solltet ungedingt auch die Kommentare lesen, denn dort äußert sich auch jemand von Droemer Knaur.

2. Im Montségur-Autorenforum.

Schaut da mal rein. Es lohnt sich wirklich, falls Ihr überlegt, Euch auf diese Weise zu empfehlen!

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Karla Schmidt am August 14th 2010 in Autoren, Blog, Übers Schreiben

Preise für Karsten Kruschel und Ernst Eberhard Manski

“Vilm – Der Regenplanet” und “Vilm – Die Eingeborenen” gehörten zu den wenigen Büchern, die ich dieses Jahr aus freien Stücken und mit Genuss gelesen habe. Ist zwar blöd, aber ich lese beruflich so viel, dass ich darüber hinaus oft einfach keinen Bock mehr habe … Die “Vilm”-Bücher habe ich auch zuerst aus “beruflichem Interesse” in die Hand genommen. Immerhin ist Autor Karsten Kruschel in der “Hinterland”-Anthologie vertreten, und das macht doch neugierig.

Jetzt freue ich mich, dass “Vilm” I und II nicht nur Spaß gemacht haben, sondern auch den “Deutschen Science Fiction Preis 2010″ für den besten Roman gewonnen haben! Herzlichen Grlückwunsch!

Das ist aber noch nicht alles, denn noch ein “Hinterland”-Kollege hat abgeräumt. Ernst-Eberhard Manski hat für seine Story “Das Klassentreffen der Weserwinzer” den Kurd Laßwitz Preis 2010 bekommen. Die Story ist in dem Wurdack-Erzählband “Molekularmusik” erschienen. Ebenfalls Herzlichen Glückwunsch!!! :-)

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Karla Schmidt am August 5th 2010 in Autoren, Blog, Hinterland, Von Freunden